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Unternehmen

Winterbaustellen: Dunkelheit und Glätte erhöhen das Unfallrisiko


30. Oktober 2026, 11:16
Erlangen,
Deutschland
Ratgeber

Nässe, Frost, Schnee und schlechte Sicht erhöhen in der kalten Jahreszeit die Unfallgefahr auf Baustellen. Besonders rutschige Verkehrswege, vereiste Gerüste und unzureichende Beleuchtung bergen erhebliche Risiken. Erfahren Sie, welche Schutzmaßnahmen jetzt wichtig sind, wie Bauunternehmen ihre Beschäftigten schützen und welche Rolle die Sicherheitskoordination dabei spielt.

Mit Beginn der kalten Jahreszeit verändern sich die Arbeitsbedingungen auf Baustellen erheblich. Während in den Sommermonaten häufig Hitze und direkte Sonneneinstrahlung besondere Herausforderungen darstellen, rücken im Herbst und Winter andere Gefahren in den Vordergrund: Nässe, Frost, Schnee, Eis, Wind und eingeschränkte Sichtverhältnisse.

Gerade in den frühen Morgenstunden und am späten Nachmittag steigt das Unfallrisiko. Verkehrswege können durch überfrierende Nässe plötzlich spiegelglatt werden, Gerüstbeläge verlieren ihre Trittsicherheit und unzureichend beleuchtete Arbeitsbereiche erschweren das sichere Erkennen von Hindernissen oder Gefahrenstellen.

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) weist ausdrücklich auf die erhöhten Risiken durch Glätte, Dunkelheit sowie Absturz- und Durchsturzgefahren in der kalten Jahreszeit hin.

 

Warum Winterbaustellen besondere Aufmerksamkeit erfordern

Anders als bei gleichbleibenden Arbeitsbedingungen können sich die Gefährdungen auf einer Winterbaustelle innerhalb weniger Stunden verändern. Ein am Nachmittag noch sicherer Verkehrsweg kann am nächsten Morgen bereits vereist sein. Starker Regen kann unbefestigte Zufahrten aufweichen, während Schneefall Öffnungen, Stolperstellen und andere Gefahren verdecken kann.

Hinzu kommen organisatorische Herausforderungen: Mehrere Gewerke arbeiten gleichzeitig, Materiallieferungen müssen auch bei schlechter Witterung erfolgen und vereinbarte Bauzeiten sollen eingehalten werden.

Entscheidend ist deshalb, dass Sicherheitsmaßnahmen nicht nur einmalig festgelegt, sondern kontinuierlich an die tatsächlichen Bedingungen auf der Baustelle angepasst werden. Eine vorausschauende Arbeitsplanung und klare Zuständigkeiten können dazu beitragen, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Fünf wichtige Maßnahmen für sichere Winterbaustellen

  1. 1. Verkehrswege und Arbeitsflächen gegen Glätte sichern

Rutsch- und Sturzunfälle gehören zu den typischen Gefährdungen auf Winterbaustellen. Besonders betroffen sind Treppen, Gerüste, Laufstege und unbefestigte Zugänge. Schon dünne Eisschichten oder nasses Laub können die Trittsicherheit erheblich beeinträchtigen.

Verkehrswege sollten deshalb regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf von Schnee, Eis und Verschmutzungen befreit werden. Wichtig sind außerdem rutschhemmende Zugänge, geeignete Sicherheitsschuhe und eine ausreichende Entwässerung.

Praxistipp: Eine morgendliche Kontrolle vor Arbeitsbeginn hilft, gefährliche Stellen frühzeitig zu erkennen. Die Zuständigkeit für Kontrollen und erforderliche Maßnahmen sollte eindeutig geregelt sein.

 

  1. 2. Ausreichende Beleuchtung gewährleisten

Im Winter beginnen und enden viele Arbeiten bei Dunkelheit oder Dämmerung. Dadurch steigt nicht nur die Stolpergefahr. Auch Beschäftigte können von Baufahrzeugen leichter übersehen werden.

Nach der Arbeitsstättenregel ASR A3.4 sind Verkehrswege auf Baustellen grundsätzlich mit mindestens 20 Lux zu beleuchten. Je nach Tätigkeit können für Arbeitsbereiche höhere Werte erforderlich sein.

Arbeitsplätze, Treppen, Zugänge und Verkehrswege müssen ausreichend und möglichst blendfrei ausgeleuchtet werden. Baustrahler sollten so positioniert sein, dass keine gefährlichen Schatten oder Blendwirkungen entstehen.

 

  1. 3. Absturz- und Durchsturzgefahren beachten

Nasse oder vereiste Oberflächen erhöhen das Risiko schwerer Stürze. Besonders kritisch sind Arbeiten auf Dächern, Gerüsten, Leitern und erhöhten Arbeitsplattformen.

Eine zusätzliche Gefahr stellen nicht durchsturzsichere Dachbereiche dar. Lichtplatten, Oberlichter oder ungesicherte Öffnungen können durch Schnee verdeckt und dadurch übersehen werden.

Absturzsicherungen und Gerüste müssen regelmäßig kontrolliert werden. Bei starkem Wind, Vereisung oder Schneefall ist zu prüfen, ob Arbeiten noch sicher durchgeführt werden können.

 

  1. 4. Beschäftigte vor Kälte schützen

Niedrige Temperaturen, Wind und Nässe können Gesundheit, Konzentration und Beweglichkeit beeinträchtigen. Kalte Hände erschweren z. B. den sicheren Umgang mit Werkzeugen.

Geeignete Wetterschutzkleidung, Schutzhandschuhe, rutschhemmendes Schuhwerk sowie beheizbare Pausenräume sind wichtige Schutzmaßnahmen. Auch Möglichkeiten zum Trocknen nasser Kleidung sollten vorhanden sein.

Bei der Gefährdungsbeurteilung sind neben der Temperatur auch Wind, Feuchtigkeit, körperliche Belastung und Arbeitsdauer zu berücksichtigen.

 

  1. 5. Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsabläufe anpassen

Gefährdungsbeurteilungen müssen bei veränderten Gefahren überprüft und Schutzmaßnahmen angepasst werden.

  • Sind Zugänge sicher?
  • Reicht die Beleuchtung aus?
  • Wer kontrolliert Gerüste nach Schneefall?
  • Welche Arbeiten müssen bei gefährlichem
  • Wetter unterbrochen werden?

 

Praxistipp: Eine kurze Sicherheitsbesprechung zu Arbeitsbeginn hilft, aktuelle Gefahren und Schutzmaßnahmen abzustimmen. Sie ersetzt jedoch keine Unterweisung.

Sicherheitskoordination gewinnt im Winter an Bedeutung

Auf vielen Baustellen arbeiten mehrere Unternehmen gleichzeitig oder nacheinander. Dabei teilen sich unterschiedliche Gewerke häufig Verkehrswege, Gerüste, Lagerflächen und Zugänge.

Gerade im Winter können zusätzliche Gefährdungen entstehen. Werden Verkehrswege durch Materiallieferungen eingeengt, während gleichzeitig Schnee geräumt werden muss, kann dies die Sicherheit beeinträchtigen. Auch Dacharbeiten, Materialtransporte und der Einsatz von Baufahrzeugen müssen auf die Witterungsbedingungen abgestimmt werden.

Eine vorausschauende Sicherheitskoordination hilft, solche Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und Schutzmaßnahmen zwischen den Beteiligten abzustimmen.

 

Welche Aufgaben übernimmt ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator?

Nach der Baustellenverordnung ist bei Bauvorhaben, auf denen Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig werden, grundsätzlich ein geeigneter Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator (SiGeKo) zu bestellen.

Seine Aufgabe besteht darin, die Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz zu koordinieren.

Bereits während der Planung können winterliche Risiken berücksichtigt werden. Dazu gehören sichere Verkehrswege, geeignete Gerüstzugänge, die Beleuchtung gemeinsam genutzter Bereiche und die Abstimmung gefährlicher Arbeiten.

Während der Bauausführung unterstützt der SiGeKo die Koordination gemeinsamer Schutzmaßnahmen. Ändern sich Bauabläufe oder entstehen neue Gefährdungen, kann eine Anpassung des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans erforderlich werden, sofern dieser vorgeschrieben ist.

 

Wer trägt die Verantwortung für die Baustellensicherheit?

Die Verantwortung für den Arbeitsschutz liegt grundsätzlich bei den jeweiligen Arbeitgebern. Sie müssen Gefährdungen beurteilen, Schutzmaßnahmen festlegen und deren Umsetzung sicherstellen.

Auch Bauherren haben nach der Baustellenverordnung bestimmte Pflichten. Dazu gehört unter den gesetzlichen Voraussetzungen die Bestellung eines geeigneten Koordinators.

Der SiGeKo ersetzt weder die Verantwortung der Arbeitgeber noch die des Bauherrn. Er unterstützt die Abstimmung erforderlicher Maßnahmen, insbesondere wenn durch das Zusammenwirken verschiedener Gewerke zusätzliche Gefährdungen entstehen.

 

Fazit: Gute Vorbereitung macht Winterbaustellen sicherer

Winterliche Bedingungen lassen sich nicht vermeiden. Viele Risiken können jedoch durch frühzeitige Planung und geeignete Schutzmaßnahmen reduziert werden.

Geräumte Verkehrswege, ausreichende Beleuchtung, zuverlässige Absturzsicherungen, geeignete Schutzkleidung und eine angepasste Arbeitsorganisation bilden die Grundlage für sicheres Arbeiten.

Entscheidend ist, dass Schutzmaßnahmen regelmäßig überprüft und an die tatsächlichen Baustellenbedingungen angepasst werden.

Weiterführende Informationen zu den Aufgaben eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators findet Sie bei SIGEKO IN DER REGION.

Originalquelle auf TRENDKRAFT am .

management module GmbH

Die management module GmbH mit Sitz in Erlangen ist seit über 20 Jahren auf Arbeitsschutz, Baustellensicherheit und Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination (SiGeKo) spezialisiert. Das Unternehmen verfügt über umfangreiche Erfahrung aus erfolgreich abgeschlossenen Projekten im Hoch- und Tiefbau, bei Industrie- und Gewerbeobjekten, Sanierungen sowie im privaten und gewerblichen Wohnungsbau.

Mit SIGEKO IN DER REGION betreibt die management module GmbH eine bundesweite Vermittlungsplattform für qualifizierte Fachleute im Bereich Baustellensicherheit und Arbeitsschutz. Sie verbindet Bauherren, Architekten, Planungsbüros und Unternehmen mit regional tätigen Sicherheitsexperten und erleichtert die Suche nach passenden Ansprechpartnern für individuelle Anforderungen.

Weitere Informationen:
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