Kurz gesagt: Der Familienbetrieb CAGOON aus Oberbayern entwickelt seine Kühlbox AEROSTUFFY selbst und montiert sie in Prutting bei Rosenheim. Weil die Fertigung um die Ecke liegt, gibt es jedes Teil einzeln nach, die Box wird vor Ort repariert und am Ende kostenlos zurückgenommen. Gründer ist der frühere GORE-TEX-Produktmanager Johannes Ebert.
Wer eine Kühlbox kauft, bekommt fast immer Containerware aus Fernost. Bricht ein Scharnier, war es das meistens: Ersatzteile gibt es keine, und die Box landet im Sperrmüll. Genau dort, vor einem Container voller zerbrochener Hartplastikboxen am Wertstoffhof, hatte Johannes Ebert 2022 die Idee für CAGOON. Heute baut sein Familienbetrieb in Prutting den AEROSTUFFY, eine Kühlbox aus mEPP, dem Material, aus dem auch Fahrradhelme sind.
Sie wiegt 1,3 Kilogramm und trägt als Sitzhocker bis zu 80 Kilogramm.
„Natürlich wäre es in Asien billiger“,
sagt Ebert.
„Dann hätten wir allerdings ein Lager voller Container, keine Ersatzteile und keinen Einfluss darauf, was am Ende aus der Box wird. Wir
wollten es andersrum.“
Die Formteile schäumt ein Fertigungspartner mit Werkzeugen, die CAGOON gehören. Verarbeitung, Endmontage, Qualitätskontrolle, Reparatur und Versand übernimmt das Team in Prutting, viele Komponenten liefern Betriebe aus der Region. Vom Magneten bis zur Trennwand lässt sich jedes Teil einzeln nachbestellen. Ausgediente Boxen nimmt CAGOON kostenlos zurück. Weil Box, Deckel und Trennwand aus einem einzigen Kunststoff bestehen, sind sie in rund 45 Sekunden zerlegt und gehen sortenrein ins Recycling.
Seit Ende Juli gilt in Deutschland das Recht auf Reparatur. Es betrifft Waschmaschinen, Smartphones und andere Geräte, Kühlboxen gehören nicht dazu. „Bei uns stand die Reparatur im Lastenheft, lange bevor sie im Gesetz stand“, sagt Ebert. „Ein Produkt, das man nicht reparieren kann, ist für mich nicht fertig entwickelt.“
Testen hat Ebert bei GORE-TEX gelernt, wo Material unter extremen Bedingungen bestehen muss. Das macht er bei CAGOON genauso: Im Prüflabor der TH Rosenheim hielt ein AEROSTUFFY L 942 Kilogramm Druck aus, nach einer einfachen Reparatur noch über 700. Ein AEROSTUFFY M ging mit durch die Watzmann-Ostwand, ein anderer lag zwei Wochen im Sand und Salzwasser an einem Atlantikstrand. Im Alltag hält die Box 36 Stunden kalt. „Zehn Tage kalt versprechen wir nicht. Dafür gibt es keine Prüfnorm, und eine Kühlbox, die so schwer ist, dass sie im Keller bleibt, hält gar nichts kalt.“
Die kurzen Wege haben noch einen Effekt, mit dem vor allem Firmen, Vereine und Händler etwas anfangen können: CAGOON fertigt eigene Editionen mit Logo, Farbe oder Motiv schon ab drei Stück, Händler beziehen ab einer Box. „Bei Containerware fragt keiner nach drei Stück“, sagt Ebert. „Wir schon.“