Der Immobilienmarkt gilt in Deutschland seit Jahrzehnten als Sonderfall. Trotz wirtschaftlicher Stabilität, hoher Rechtssicherheit und eines großen Marktes weist Deutschland im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Wohneigentumsquoten auf. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank liegt sie seit Jahren unter 50 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt.[1] Eine neue YouGov-Umfrage zeigt nun, dass diese Zurückhaltung nicht nur eine Frage von Einkommen oder Vermögen ist, sondern stark von Herkunft und Risikowahrnehmung geprägt wird. Demnach haben 57 Prozent der befragten Personen mit Migrationshintergrund bereits konkret darüber nachgedacht, in eine oder mehrere Immobilien zu investieren. Bei Deutschen ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei 35 Prozent. Umgekehrt geben 62 Prozent der Deutschen an, sich bislang nicht mit einem Immobilieninvestment beschäftigt zu haben, während dies bei Menschen mit Migrationshintergrund nur 40 Prozent sagen. Aus Sicht der Experten von klarvest ist diese Differenz besonders aufschlussreich. Sie zeigt, dass es weniger um tatsächlichen Immobilienbesitz geht, sondern um die grundsätzliche Offenheit gegenüber Immobilien als Anlageform. Damit rücken kulturelle Prägungen, Erfahrungen mit Sicherheitssystemen und unterschiedliche Risikoabwägungen stärker in den Fokus als klassische finanzielle Kennzahlen.
Immobilien als Sicherheitsanker
Internationale Vergleiche zeigen, dass Wohneigentum in vielen Ländern eine deutlich größere Rolle als private Absicherung spielt als in Deutschland. Die Deutsche Bundesbank führt die niedrige Eigentumsquote hierzulande unter anderem auf hohe Kaufnebenkosten, strenge Kreditvergaberegeln und fehlende steuerliche Anreize zurück. Gleichzeitig verfügt Deutschland über einen historisch gewachsenen Mietmarkt mit starkem Mieterschutz, der den Druck zum Eigentum reduziert. Die Experten von klarvest gehen davon aus, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern stammen, in denen Eigentum eine zentrale Rolle für Altersvorsorge, Vermögenssicherung und familiäre Stabilität spielt. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt der Wohneigentumsquote liegt bei 67 Prozent, Deutschland landet mit 46 Prozent auf den hintersten Rängen. Länder wie Rumänien (94 Prozent), Ungarn (92 Prozent) oder Italien (74 Prozent) oder Spanien (76 Prozent) liegen deutlich über dieser Quote.[2] Diese Prägung wirkt auch nach der Zuwanderung fort und könnte die Wahrnehmung von Immobilien als notwendige Investition beeinflussen – selbst unter erschwerten finanziellen Bedingungen.