Der globale LNG-Markt verzeichnet kontinuierliches Wachstum. Laut dem aktuellen IGU World LNG Report 2025 erreichte der weltweite LNG-Handel im Jahr 2024 ein Volumen von etwa 411 Millionen Tonnen – ein Anstieg von 1-2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu expandiert die Infrastruktur für kleinvolumige LNG-Anwendungen erheblich.
Das European Alternative Fuels Observatory (EAFO) dokumentiert eine stetige Zunahme der LNG-Tankstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Entwicklung unterstützt nicht nur den Schwerlastverkehr, sondern auch die Versorgung industrieller Satellitenanlagen. Der Aufbau dieser Infrastruktur erfolgt durch spezialisierte Anbieter (wie bspw. Barmalgas), die sowohl LNG- als auch LPG-Lösungen für gewerbliche und industrielle Kunden anbieten.
Die IEA prognostiziert in ihrem Gas Market Report eine weitere Kapazitätssteigerung durch neue LNG-Projekte in den kommenden Jahren. Diese Entwicklung verspricht stabilere Preise und verbesserte Verfügbarkeit für kleinere industrielle Abnehmer.
- Investitionskosten und Betriebsaufwand von LNG und LPG im Vergleich
Die CAPEX-Unterschiede zwischen LNG und LPG sind erheblich. Eine industrielle LNG-Anlage erfordert neben dem kryogenen Tank auch Verdampfer, EX-Schutz-Ausrüstung und spezialisierte Instrumentierung. Gemäß den technischen Spezifikationen der GIIGNL umfassen LNG-Satellitenanlagen komplexe Boil-off-Management-Systeme und Druckaufbausysteme.
LPG-Anlagen beschränken sich hingegen auf Drucktanks, Ventile und grundlegende Sicherheitseinrichtungen nach DGUV Regel 110-010. Ein einzelner 30 m³ LPG-Tank kostet inklusive Installation zwischen 80.000 und 250.000 Euro, während vergleichbare LNG-Kapazitäten das Zehnfache erreichen können.
Bei den Betriebskosten zeigt sich ein differenziertes Bild. LNG-Anlagen benötigen kontinuierliche Stromversorgung für Verdampfung und Boil-off-Management, was jährliche Energiekosten von 10.000-30.000 Euro verursachen kann. Die Wartungskosten liegen bei 20.000-60.000 Euro jährlich. LPG-Wartung beschränkt sich auf periodische Prüfungen und grundlegende Instandhaltung mit Kosten unter 10.000 Euro pro Jahr.
- LNG vs. LPG: CO2-Bilanz und regulatorische Entwicklungen
Die Klimabilanz beider Brennstoffe unterscheidet sich geringfügig in der direkten Verbrennung. Das Umweltbundesamt weist für Erdgas einen CO2-Faktor von 0,201 kg CO2/kWh und für Propan/Butan 0,227 kg CO2/kWh aus. LNG bietet somit einen leichten Vorteil bei den direkten Emissionen.
Entscheidender wird jedoch die neue EU-Methan-Verordnung (EU) 2024/1787, die seit August 2024 in Kraft ist. Sie verschärft die Monitoring- und Leckage-Vorgaben entlang der gesamten Erdgas-Lieferkette. Diese Regelung betrifft primär LNG-Importe und könnte mittelfristig zu Kostensteigerungen führen.
Ab 2027 wirkt das neue EU-Emissionshandelssystem ETS2 auf Brennstoffe in Gebäuden und Verkehr. Beide Kraftstoffe werden davon betroffen sein, wobei die geringeren CO2-Emissionen von LNG einen Kostenvorteil bedeuten könnten.