Direkt zum Inhalt
Brandible

Unternehmen

LNG vs. LPG: Was rechnet sich für Industrie und Offgrid bis 2030?


29. April 2026, 17:34
Ludwigsfelde OT Genshagen,
Deutschland
Bericht

Die Energiewende stellt Unternehmen vor komplexe Entscheidungen bei der Wahl alternativer Brennstoffe. Insbesondere für Industriebetriebe und netzferne Standorte gewinnen Flüssiggase als Brückentechnologie an Bedeutung. 

Glasindustrie: LNG vs. LPG

Marktentwicklung und Infrastruktur: LNG auf dem Vormarsch

Der globale LNG-Markt verzeichnet kontinuierliches Wachstum. Laut dem aktuellen IGU World LNG Report 2025 erreichte der weltweite LNG-Handel im Jahr 2024 ein Volumen von etwa 411 Millionen Tonnen – ein Anstieg von 1-2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu expandiert die Infrastruktur für kleinvolumige LNG-Anwendungen erheblich.

Das European Alternative Fuels Observatory (EAFO) dokumentiert eine stetige Zunahme der LNG-Tankstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese Entwicklung unterstützt nicht nur den Schwerlastverkehr, sondern auch die Versorgung industrieller Satellitenanlagen. Der Aufbau dieser Infrastruktur erfolgt durch spezialisierte Anbieter (wie bspw. Barmalgas), die sowohl LNG- als auch LPG-Lösungen für gewerbliche und industrielle Kunden anbieten.

Die IEA prognostiziert in ihrem Gas Market Report eine weitere Kapazitätssteigerung durch neue LNG-Projekte in den kommenden Jahren. Diese Entwicklung verspricht stabilere Preise und verbesserte Verfügbarkeit für kleinere industrielle Abnehmer.

 

  1. Investitionskosten und Betriebsaufwand von LNG und LPG im Vergleich

Die CAPEX-Unterschiede zwischen LNG und LPG sind erheblich. Eine industrielle LNG-Anlage erfordert neben dem kryogenen Tank auch Verdampfer, EX-Schutz-Ausrüstung und spezialisierte Instrumentierung. Gemäß den technischen Spezifikationen der GIIGNL umfassen LNG-Satellitenanlagen komplexe Boil-off-Management-Systeme und Druckaufbausysteme.

LPG-Anlagen beschränken sich hingegen auf Drucktanks, Ventile und grundlegende Sicherheitseinrichtungen nach DGUV Regel 110-010. Ein einzelner 30 m³ LPG-Tank kostet inklusive Installation zwischen 80.000 und 250.000 Euro, während vergleichbare LNG-Kapazitäten das Zehnfache erreichen können.

Bei den Betriebskosten zeigt sich ein differenziertes Bild. LNG-Anlagen benötigen kontinuierliche Stromversorgung für Verdampfung und Boil-off-Management, was jährliche Energiekosten von 10.000-30.000 Euro verursachen kann. Die Wartungskosten liegen bei 20.000-60.000 Euro jährlich. LPG-Wartung beschränkt sich auf periodische Prüfungen und grundlegende Instandhaltung mit Kosten unter 10.000 Euro pro Jahr.

 

  1. LNG vs. LPG: CO2-Bilanz und regulatorische Entwicklungen

Die Klimabilanz beider Brennstoffe unterscheidet sich geringfügig in der direkten Verbrennung. Das Umweltbundesamt weist für Erdgas einen CO2-Faktor von 0,201 kg CO2/kWh und für Propan/Butan 0,227 kg CO2/kWh aus. LNG bietet somit einen leichten Vorteil bei den direkten Emissionen.

Entscheidender wird jedoch die neue EU-Methan-Verordnung (EU) 2024/1787, die seit August 2024 in Kraft ist. Sie verschärft die Monitoring- und Leckage-Vorgaben entlang der gesamten Erdgas-Lieferkette. Diese Regelung betrifft primär LNG-Importe und könnte mittelfristig zu Kostensteigerungen führen.

Ab 2027 wirkt das neue EU-Emissionshandelssystem ETS2 auf Brennstoffe in Gebäuden und Verkehr. Beide Kraftstoffe werden davon betroffen sein, wobei die geringeren CO2-Emissionen von LNG einen Kostenvorteil bedeuten könnten.

Anwendungsbereiche und Hybrid-Strategien

Die Wahl zwischen LNG und LPG hängt stark vom Anwendungsbereich ab. LNG eignet sich besonders für kontinuierliche Hochlastanwendungen mit Verbrauch über 100 MWh/Jahr. Die höhere Energiedichte und bessere Skalierbarkeit rechtfertigen hier die Mehrkosten.

LPG bietet Vorteile bei flexiblen oder saisonalen Anwendungen. Die einfache Lagerung ohne Boil-off-Verluste und die schnelle Reaktionszeit machen es ideal für Spitzenlastabdeckung oder Backup-Systeme.

Zunehmend setzen Unternehmen auf Hybrid-Strategien. Grundlast wird durch effiziente Technologien wie Wärmepumpen abgedeckt, während LPG oder LNG die Spitzenlast übernehmen. Diese Kombination optimiert sowohl Investitions- als auch Betriebskosten.

 

  1. Logistik und Versorgungssicherheit

Die Verfügbarkeit beider Kraftstoffe hat sich durch geopolitische Entwicklungen verändert. LNG-Importe aus den USA decken mittlerweile etwa 56 Prozent des EU-Bedarfs ab, wie Kpler-Analysen für 2025 zeigen. Diese Diversifizierung verbessert die Versorgungssicherheit, kann jedoch Preisvolatilitäten verstärken.

LPG-Lieferketten sind traditionell diversifizierter aufgestellt. Raffinerie-Nebenprodukte aus verschiedenen Regionen und zunehmend auch BioLPG sorgen für stabile Verfügbarkeit. Die dezentrale Struktur macht LPG weniger anfällig für Lieferunterbrechungen.

 

 

  1. LNG oder LPG: Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bis 2030

Die Total Cost of Ownership (TCO) hängt von mehreren Faktoren ab. Bei Investitionskosten führt LPG deutlich. Ein 50 m³ LPG-System kostet etwa ein Zehntel einer vergleichbaren LNG-Anlage. Die Amortisationszeit verkürzt sich entsprechend.

Kraftstoffkosten variieren regional und zeitlich stark. LNG war in den vergangenen Jahren häufig günstiger pro Energieeinheit, jedoch mit höherer Volatilität. Die CO2-Bepreisung ab 2027 könnte diesen Vorteil verstärken.

Wartungs- und Betriebskosten sprechen klar für LPG. Die einfachere Technik reduziert Ausfallrisiken und Serviceaufwand erheblich.

 

  1. LNG vs. LPG: Situative Entscheidung mit klaren Kriterien

Die Wahl zwischen LNG und LPG bis 2030 folgt klaren Kriterien. LNG bietet Vorteile bei großvolumigen, kontinuierlichen Anwendungen über 100 MWh/Jahr und bessere Zukunftsperspektiven durch Bio-LNG-Pfade. Die höheren Investitionskosten amortisieren sich bei entsprechender Auslastung.

LPG punktet bei flexiblen Anwendungen, niedrigen Investitionskosten und einfacher Handhabung. Für Spitzenlast, Backup-Systeme oder kleinere Verbraucher unter 50 MWh/Jahr bietet es oft die wirtschaftlichere Lösung.

Entscheidend wird die Integration erneuerbarer Varianten. Sowohl Bio-LNG als auch BioLPG können die Klimabilanz erheblich verbessern und regulatorische Anforderungen erfüllen. Unternehmen sollten ihre Energiestrategie entsprechend flexibel gestalten und regelmäßig evaluieren, welche Technologie optimal zu ihren sich wandelnden Anforderungen passt.

Kontakt