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INFOkontor

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Stromkosten 2027: Im Betrieb zählt nicht nur der Verbrauch


14. Oktober 2026, 17:28
Köln,
Deutschland
Ratgeber

Zwei Betriebe verbrauchen gleich viel Strom – und können mit Photovoltaik trotzdem völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Energie gebraucht wird, sondern vor allem wann. Der Energiecheck Betrieb hat dazu einen kostenlosen Leitfaden herausgebracht.

Fachkräfte installieren Solarmodule auf einem Hallendach, um die Energiekosten des Betriebs langfristig zu senken. Ein professioneller Energiecheck zeigt Unternehmen ungenutzte Einparpotenziale auf.

Zwei Unternehmen, beide mit 500.000 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr. Auf der Jahresabrechnung sehen sie zunächst ähnlich aus. Für die eigene Stromerzeugung können ihre Voraussetzungen trotzdem grundverschieden sein.

Betrieb A arbeitet hauptsächlich werktags zwischen morgens und spätem Nachmittag. Maschinen, Lüftung, Kühlung oder Ladepunkte benötigen viel Energie, während eine Photovoltaikanlage Strom erzeugt.

Betrieb B braucht dagegen einen großen Teil seiner Energie nachts oder am Wochenende. Dort treffen Solarerzeugung und Verbrauch deutlich seltener aufeinander.

Der Jahresverbrauch allein beantwortet deshalb noch nicht die entscheidende Frage: Wie viel des selbst erzeugten Stroms kann ein Unternehmen tatsächlich im eigenen Betrieb nutzen?

Mit genau solchen Fragen beschäftigt sich der neue Energiecheck Betrieb, ein redaktionelles Angebot der infokontor GmbH. Unternehmen können dort anhand von fünf Angaben ihre Ausgangssituation zunächst grob einordnen. Persönliche Kontaktdaten sind für das Ergebnis nicht erforderlich.

Ergänzend hat die Redaktion den kostenlosen Leitfaden „Solarstrom für den Betrieb“ veröffentlicht. Er geht über den kurzen Online-Check hinaus und behandelt unter anderem Lastprofile, Dach und Statik, Netzanschluss, Speicher, Wirtschaftlichkeit und Finanzierung. Praxisbeispiele und eine Checkliste sollen Unternehmen dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen, bevor konkrete Angebote eingeholt oder Investitionsentscheidungen getroffen werden. Eine der zentralen Regeln des Leitfadens lautet: Lastprofil vor Dachfläche.

Stromkosten entwickeln sich nicht in eine Richtung

Gerade für die Energieplanung 2027 lohnt sich dieser Perspektivwechsel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zahlten Nicht-Haushalte – darunter Unternehmen und Gewerbebetriebe – im ersten Halbjahr 2026 vorläufig durchschnittlich 17,64 Cent je Kilowattstunde Strom. Das waren 8,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025.

Gleichzeitig haben die deutschen Übertragungsnetzbetreiber Anfang Oktober ihre vorläufigen Entgelte für 2027 veröffentlicht. Das durchschnittliche Übertragungsnetzentgelt auf Höchst- und Umspannungsebene steigt demnach von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde. Was davon beim einzelnen Betrieb ankommt, hängt allerdings unter anderem vom jeweiligen Verteilnetz und vom eigenen Verbrauchsprofil ab.

Die beiden Entwicklungen zeigen vor allem eines: Eine verlässliche Strompreisprognose über viele Jahre ist kaum möglich. Unternehmen können aber beeinflussen, wie viel Strom sie künftig überhaupt noch aus dem Netz beziehen müssen.

Die Uhrzeit entscheidet mit

Das Lastprofil zeigt nicht nur, wie viel Strom ein Betrieb benötigt, sondern wann. Bei größeren Verbrauchern liegen dafür häufig zeitlich aufgelöste Messwerte vor. Sie machen sichtbar, wann die Grundlast hoch ist, wann Verbrauchsspitzen auftreten und wie gut der Bedarf zur Solarstromerzeugung passt.

Ein Betrieb mit hoher Tageslast kann einen großen Teil des erzeugten Solarstroms unmittelbar einsetzen. Liegt der Verbrauch dagegen überwiegend außerhalb der Sonnenstunden, muss mehr Strom eingespeist, gespeichert oder der Verbrauch zeitlich verschoben werden.

Auch die Zukunft gehört in diese Betrachtung. Wird der Fuhrpark elektrifiziert? Kommen Wärmepumpen oder andere elektrische Prozesse hinzu? Wird eine Produktionslinie erweitert? Oder senken effizientere Maschinen den Verbrauch? All das verändert nicht nur den Jahresbedarf, sondern möglicherweise auch das Lastprofil.

Ein großes Dach ist noch keine nutzbare Solarfläche

Gewerbedächer wirken auf dem Luftbild oft unkompliziert: groß, flach, wenig verschattet. In der Praxis steht jedoch nicht jeder Quadratmeter für Solarmodule zur Verfügung. Lichtkuppeln und Rauch- und Wärmeabzüge brauchen Abstand. Wartungs- und Rettungswege müssen frei bleiben. Hinzu kommen Statik, Dachzustand, Brandabschnitte und technische Aufbauten.

Auch die Restlebensdauer des Dachs zählt. Wer heute eine Photovoltaikanlage auf eine Dachhaut setzt, die wenige Jahre später erneuert werden muss, verursacht zusätzliche Arbeit und Kosten.

Bei rund 2.500 Quadratmetern tatsächlich nutzbarer Fläche könnte, abhängig von Dach, Modulen und Anordnung, beispielsweise eine Anlage mit grob 400 bis 500 Kilowattpeak möglich sein.

Der Leitfaden „Solarstrom für den Betrieb“ rechnet für ein solches Beispiel bewusst vorsichtig mit rund 300.000 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr. Für ein reales Projekt ersetzt diese Annahme selbstverständlich keine standortbezogene Ertragsprognose.

300.000 Kilowattstunden erzeugt heißt nicht 300.000 Kilowattstunden weniger Netzbezug

Hier liegt eine wichtige Unterscheidung.

Angenommen, unser Beispielbetrieb benötigt 500.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Seine Photovoltaikanlage erzeugt 300.000 Kilowattstunden.

Kann das Unternehmen davon 250.000 Kilowattstunden zeitgleich selbst nutzen, sinkt der Netzbezug rechnerisch von 500.000 auf 250.000 Kilowattstunden. Weitere 50.000 Kilowattstunden werden beispielsweise ins Netz eingespeist.

Die Eigenverbrauchsquote liegt damit bei gut 83 Prozent. Sie beschreibt, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms im Unternehmen selbst verbraucht wird.

Der Autarkiegrad beträgt dagegen 50 Prozent. Er zeigt, welchen Anteil seines gesamten Strombedarfs der Betrieb selbst deckt.

Beide Werte sagen etwas anderes aus ... und beide gehören in eine seriöse Planung.

Wie weniger Netzbezug Preisänderungen abfedern kann

Das Beispiel zeigt auch, wie eigener Solarstrom die Abhängigkeit vom künftigen Bezugspreis verändern kann.

Nehmen wir an, der relevante Netzstrompreis steigt um fünf Cent je Kilowattstunde. Bei 500.000 Kilowattstunden Netzbezug entspräche das rechnerisch 25.000 Euro zusätzlichen Kosten im Jahr.

Sinkt der Netzbezug durch selbst genutzten Solarstrom auf 250.000 Kilowattstunden, wirkt dieselbe Preisänderung nur noch auf diese Strommenge. Der rechnerische Effekt beträgt dann 12.500 Euro.

Das Unternehmen ist damit nicht unabhängig vom Strommarkt. Aber ein kleinerer Teil seines Strombedarfs hängt unmittelbar vom künftigen Bezugspreis ab.

Umgekehrt gilt: Fallen die Strompreise, sinkt auch der finanzielle Wert des vermiedenen Netzbezugs. Genau deshalb sollte eine Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht von einer einzigen Preisentwicklung ausgehen.

Die Modellrechnung berücksichtigt zudem weder die Kosten der Anlage und ihrer Finanzierung noch Wartung, Versicherung, Einspeiseerlöse, Steuern oder mögliche Leistungspreise. Sie isoliert lediglich den Effekt des geringeren Netzbezugs.

Ein Speicher braucht einen konkreten Job

Ähnlich nüchtern sollte ein Unternehmen über einen Batteriespeicher entscheiden. Im Gewerbe ist er kein automatischer Bestandteil einer Photovoltaikanlage. Zuerst sollte feststehen, was er leisten soll.

Soll Solarstrom in spätere Betriebsstunden verschoben werden? Geht es darum, Lastspitzen zu begrenzen? Soll eine Ladeinfrastruktur für die Fahrzeugflotte unterstützt werden? Oder braucht der Betrieb zusätzliche Flexibilität?

Erst wenn die Aufgabe klar ist, lässt sich sinnvoll über Leistung, Kapazität und Wirtschaftlichkeit sprechen.

Auch der Netzanschluss gehört früh auf die Agenda. Wer zunächst möglichst viele Module aufs Dach plant und erst danach klärt, welche Leistung am Standort angeschlossen und eingespeist werden kann, beginnt unter Umständen am falschen Ende.

Drei Szenarien sind aussagekräftiger als eine Amortisationszahl

Bleibt die Frage, wann sich eine Anlage rechnet. Eine einzelne Amortisationszeit kann dabei mehr Genauigkeit vortäuschen, als eine Investition über 15 oder 20 Jahre tatsächlich zulässt.

Aussagekräftiger sind mehrere Varianten: Was passiert bei höheren oder niedrigeren Strompreisen? Wie verändert sich das Ergebnis, wenn weniger Solarstrom direkt genutzt werden kann? Was bedeutet eine spätere Elektrifizierung des Fuhrparks? Und wie wirkt sich ein geringerer Verbrauch durch Effizienzmaßnahmen aus?

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine einfache Reihenfolge:

Erst Verbrauch und Lastprofil verstehen. Dann Dach, Netzanschluss und künftige Verbraucher prüfen. Danach Varianten rechnen – und erst anschließend Technik und Finanzierung festlegen.

Wer diese Punkte für den eigenen Betrieb zunächst grob einordnen möchte, kann dafür den kostenlosen Energiecheck Betrieb nutzen. Der ergänzende Leitfaden „Solarstrom für den Betrieb“ vertieft die wichtigsten Fragestellungen und enthält zusätzlich eine Checkliste für die Investitionsentscheidung. Über die Seite können interessierte Unternehmen auch eine unverbindliche, professionelle Erstberatung anfordern.

Online-Check und Leitfaden ersetzen keine technische Planung oder individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung. Sie sollen vielmehr dabei helfen, eine solche Planung besser vorzubereiten und Angebote fundierter beurteilen zu können.

Energiecheck und kostenloser Leitfaden:
energiecheck-betrieb.de

Originalquelle auf TRENDKRAFT am .

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