Stefan Brauer
Paul – wir haben ihn kaputt gemacht
Engelsdorfer Verlag
93 S., Softcover
8,80 € (D)
ISBN: 978-3957443731
Paul erlebt seit seiner Geburt eine Hölle nach der anderen. Zunächst bei seiner alleinerziehenden Mutter, dann in verschiedenen Kinderheimen und der Psychiatrie. Bis er sich umbringt. Da ist er gerade einmal sechs Jahre!
Stefan Brauer zeichnet in seinem Buch nach, was den kleinen Paul, dem er in der Kinderpsychiatrie begegnet war, widerfahren ist und was ihn zerstört hat: das Versagen einer vermeintlich modernen, zivilisierten Gesellschaft, von Einrichtungen wie Jugendamt, Kinderheim und Psychiatrie. Deren Mitarbeiter sind völlig überfordert und teils hilflos. Ist das entschuldigend?
Kinder, die wie Tiere behandelt werden
Die Nacherzählung von Pauls kurzem Leben macht sehr betroffen, so lebendig schildert der Autor die Geschehnisse. Man spürt vermeintlich selbst die Blicke von früh traumatisierten Kindern. Blicke, die sich einbrennen und die einen nachts verfolgen. Etwa wenn die Polizei einen 7-Jährigen, den seine Eltern über Jahre im Keller eingesperrt hielten, befreit. Oder wenn ein Polizist ein winziges, in Lumpen eingewickeltes Baby, sich selbst überlassen, in einem verschimmelten, eiskalten Zimmer findet. Hätte das Jugendamt früher eingreifen müssen? Kinder, die sich in einem katholischen Kinderheim nach Aussagen der dort tätigen Mitarbeiter wie Tiere verhalten – und als solche behandelt werden.
Dieses Buch schockiert zutiefst, es macht schier ohnmächtig. Man fragt sich: Wie kann so etwas in Deutschland passieren? Dieser Bericht erschüttert den Leser zutiefst und wirkt wohl für immer nach. Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, das sich dieses Versagen nie mehr wiederholt.